
Ich bekomme diese Frage öfter als jede andere. Nicht «welche Jeans», nicht «welche Farbe steht mir», sondern: Debi, was zieh ich am Freitag an? Erstes Date. Meistens um 22 Uhr am Donnerstag, meistens mit drei Fotos vom Bett, auf dem alles liegt, was der Kleiderschrank hergibt.
Ich arbeite seit bald zwölf Jahren als Visual Merchandiserin, also die Person, die im Laden die Puppen anzieht und die Schaufenster macht. Mein Job ist es, dass ein Outfit auf zwei Meter Distanz eine Geschichte erzählt. Und genau das macht ein Date-Outfit auch: Es erzählt in den ersten zehn Sekunden, wer du bist, bevor du überhaupt «Hoi» gesagt hast.
Hier kommt alles, was ich Freundinnen (und ein paar Freunden) in den letzten Jahren geraten habe. Mit den Fehlern, die ich selbst gemacht habe, gratis dazu.
Zieh etwas an, das du schon mindestens einmal einen ganzen Abend getragen hast. Klingt banal, ist es nicht. Das neue Kleid mit dem Etikett noch dran ist der Klassiker: Es kratzt am Hals, der Reissverschluss rutscht, du ziehst den ganzen Abend am Saum herum. Und dein Gegenüber merkt genau eins: dass du dich nicht wohlfühlst. Das liest sich dann leider schnell als «sie hat keine Lust» oder «er ist nervös».
Ein Date-Outfit soll dich zu 80 Prozent wie dich selbst aussehen lassen, und zu 20 Prozent wie die Version von dir, die sich Mühe gegeben hat. Mehr nicht. Wenn deine Freundin dich sieht und sagt «wow, du siehst so anders aus», dann ist das eher ein Warnsignal als ein Kompliment.
Bevor du irgendwas aus dem Schrank ziehst, frag dich: Wo treffen wir uns, und was machen wir da? Das klingt nach Checkliste, spart dir aber 90 Prozent der Unsicherheit. Hier meine grobe Übersicht:
| Wo | Was gut funktioniert | Lieber nicht |
|---|---|---|
| Kaffee am Nachmittag | Jeans, gute Strickjacke oder Hemd, saubere Sneakers | Abendkleid, High Heels |
| Apéro in einer Bar | Dunkle Jeans oder Jupe, schönes Top, Blazer, ein Schmuckstück | Sportlook, Hoodie |
| Abendessen im Restaurant | Midi-Kleid oder Hose mit Seidenbluse, Lederschuhe | Alles, was beim Sitzen spannt |
| Spaziergang am See | Bequeme Hose, Trench oder Jacke, Schuhe mit denen du 5 km schaffst | Neue Schuhe, weisse Hose |
| Museum, Ausstellung | Etwas mit Charakter: Muster, Farbe, spannender Schnitt | Zu laute Absätze auf Parkett |
| Kino | Weich, warm, Lagen zum Ausziehen | Riesige Ohrringe (Kopf an Schulter, du weisst schon) |
Wenn du nicht weisst, wohin es geht: frag. Ehrlich. «Soll ich mich schick machen oder eher gemütlich?» ist keine peinliche Frage, sondern eine, die zeigt, dass du mitdenkst. Und falls dir noch ein Vorschlag fehlt, wo ihr hin könntet, hab ich meine liebsten Date-Ideen in Zürich aufgeschrieben.
Im Schaufenster arbeiten wir mit einem «Hero-Piece». Ein Teil, das den Blick fängt, alles andere unterstützt es nur. Beim Date ist es genau gleich. Such dir ein Teil aus, das dich ausmacht:
Der Rest ist ruhig: dunkle Jeans, schlichtes Oberteil, neutrale Schuhe. So wirkt das Ganze durchdacht, aber nicht verkleidet. Das Gegenteil davon sieht man jeden Freitag an der Langstrasse: Paillettentop, Statement-Kette, Leopardenjupe und Glitzerclutch auf einmal. Einzeln toll, zusammen ein Wimmelbild.
Ich will hier keine Farbpsychologie aus dem Wartezimmer verkaufen. Aber ein paar Dinge beobachte ich im Laden jeden Tag, und die gelten auch am Tisch:
Rot fällt auf, punkt. Studien dazu gibt es einige, die Ergebnisse sind gemischt, aber im Alltag merkt man: Rot wird gesehen. Wenn du dich darin wohlfühlst, ist ein rotes Oberteil oder ein roter Mund fast unschlagbar. Wenn nicht, lass es.
Dunkelblau ist mein Geheimtipp. Wirkt ruhig, vertrauenswürdig, schmeichelt fast jeder Haut und ist weniger streng als Schwarz. Ein marineblaues Strickkleid hat bei mir mehr zweite Dates gebracht als jedes kleine Schwarze.
Erdtöne wie Camel, Olive, Rost: warm, nahbar, wirken im Herbst unglaublich gut. Mehr dazu im Beitrag zum Date-Outfit für Herbst und Winter.
Ganz in Weiss ist schön, aber riskant, sobald Rotwein, Pasta oder Tram-Sitze im Spiel sind. Ich spreche aus Erfahrung. Spaghetti alle vongole, Seidenbluse, erste zehn Minuten. Er hat es charmant genommen, ich weniger.
Das teuerste Teil sieht billig aus, wenn es nicht sitzt. Und ein Pullover für 40 Franken sieht teuer aus, wenn die Schultern stimmen und die Länge passt. Drei Dinge, die ich vor jedem Date im Spiegel checke:
Falls du etwas Liebes hast, das nicht ganz sitzt: Eine Änderungsschneiderei kostet für Saum kürzen meistens zwischen 15 und 30 Franken. Das ist die beste Investition in deinen Kleiderschrank, die ich kenne.

Ich hab es schon oft gesehen und selbst erlebt: das Date läuft super, man will noch weiterziehen, vielleicht ein Stück am See entlang, und dann tun die Füsse so weh, dass man lieber nach Hause will. Wegen Schuhen! Das darf nicht passieren.
Meine Faustregel: Du musst in den Schuhen vom Hauptbahnhof bis zum Bellevue laufen können, ohne an sie zu denken. Das sind knapp 20 Minuten. Wenn du das nicht schaffst, sind es keine Date-Schuhe, sondern Foto-Schuhe.
Gute Kandidaten sind Loafers, Stiefeletten mit Blockabsatz, schlichte Leder-Sneakers in Weiss oder Beige, Ballerinas mit Polster. Und bitte: frisch geputzt. Schuhe sind das, worauf die Leute schauen, wenn sie nervös sind und nicht wissen, wohin mit dem Blick. (Ist so, ich hab mal eine Umfrage im Freundeskreis gemacht, sieben von neun Männern haben das bestätigt.)
Kleine Dinge, grosse Wirkung. Ein Parfum, das man erst riecht, wenn man sich zur Begrüssung nahe kommt, nicht schon beim Reinkommen ins Café. Haare, die nach dir aussehen und nicht nach frisch vom Coiffeur (also lieber zwei, drei Tage vorher schneiden lassen). Und gepflegte Hände, weil die beim reden, beim Anstossen und beim Handy-Wegstecken dauernd im Bild sind.
Zu Make-up und Parfum hab ich einen eigenen, recht langen Beitrag geschrieben: Make-up und Parfum fürs erste Date. Kurzfassung: weniger als du denkst, aber gezielter.
Dunkle, gerade Jeans, eine Seidenbluse oder ein feines Strick-Top, ein nicht zu strenger Blazer, Stiefeletten. Kleine goldene Creolen. Fertig. Wirkt, als hättest du dir Mühe gegeben, aber nicht zu viel. Funktioniert im Kreis 4 genauso wie im Seefeld.
Ein Midi-Kleid aus Jersey oder Viskose, einfarbig oder mit kleinem Muster. Dazu Sneakers und Jeansjacke am Tag, Stiefel und langer Mantel am Abend. Das ist mein Liebling für Dates, bei denen ich nicht weiss, wie es weitergeht. Im Sommer wird daraus das luftige Leinenkleid, wie im Beitrag zum Date-Outfit im Sommer beschrieben.
Hose mit weitem Bein oder gute Jeans, dicker Pullover, Trenchcoat oder Wollmantel, Schal, flache Boots. Das ist das Outfit für «wir laufen mal Richtung See und schauen». Bequem, aber mit Haltung.

Dann gibt es eine Sache, die viele vergessen: Dein Gegenüber hat schon ein Bild von dir im Kopf, nämlich deine Profilfotos. Das beste Outfit ist deshalb eines, das zu diesen Fotos passt. Wer auf allen Bildern im Wanderlook zu sehen ist und dann im Paillettenkleid auftaucht, sorgt eher für Verwirrung als für Begeisterung. Umgekehrt: Wenn die Fotos alle vier Jahre alt sind, hilft auch das beste Outfit nicht viel.
Wie man Profilbilder macht, die nach dir aussehen und trotzdem gut sind, vorallem ohne Fotograf, steht hier: Profilbild für Dating-Apps. Das Thema kam in meinen Kommentaren so oft, dass ich es endlich aufgeschrieben habe.
Ja, ich weiss, dass ihr da seid, die Statistik verrät euch. Für euch gibt es einen eigenen Beitrag: Date-Outfit für Männer. Die Kurzfassung passt aber in einen Satz: Saubere Schuhe, ein Hemd oder Strick das sitzt, und bitte kein Hemd, das nach Büro aussieht, wenn es kein Business-Lunch ist.
Eine Stufe schicker als dein Alltag, aber eine Stufe lässiger als der Ort. Wenn du unsicher bist, nimm die lässige Variante und peppe sie mit einem Accessoire auf. Ein Blazer drüber geht immer, ausziehen auch.
Nein. Ein Kleid ist nur dann «zu viel», wenn es nach Anlass aussieht (Glitzer, bodenlang, Satin am Nachmittag). Ein schlichtes Midi-Kleid ist genauso unkompliziert wie Jeans.
So viel, wie du den ganzen Abend ohne dran zu denken zeigen willst. Wenn du dauernd am Ausschnitt zupfst, ist es zu viel für dich, egal was andere sagen.
Dann lach drüber. Ehrlich. «Ich hab mich ein bisschen verschätzt» ist ein super Eisbrecher. Niemand ist je wegen einem zu schönen Outfit nicht zurückgeschrieben worden.
Das, womit du dich sicher fühlst. Wenn du auf deinen Fotos eine Brille trägst, dann trag sie auch beim Date.
Am Ende geht es bei einem ersten Date nicht darum, perfekt auszusehen, sondern darum, dass du den Kopf frei hast für das Gespräch. Das Outfit ist nur der Rahmen. Ein guter Rahmen fällt nicht auf, er lässt das Bild wirken. Das sag ich meinen Praktikantinnen auch immer, wenn sie die Puppe mit drei Ketten behängen.
Viel Glück am Freitag! Und schreib mir in die Kommentare, wie es gelaufen ist, Nissi und Mendes lesen mit (naja, sie liegen auf der Tastatur).
Fang am besten mit dem Grundlagen-Beitrag an. Dort steht fast alles, der Rest sind Details.
Fragen gerne an [email protected]
Die Chefs hier: Nissi (links) und Mendes. Wer die zwei sind
Ein rostroter Rollkragen, die alten braunen Stiefeletten (frisch besohlt) und ein Trench, der schon drei Winter hinter sich hat. Herbst halt.