Das perfekte Profilbild für Dating-Apps: Tipps von einer, die Bilder für den Laden macht

Dieser Beitrag hat eine Vorgeschichte. Eine Freundin hat mir letztes Jahr ihr Dating-Profil gezeigt und gefragt, warum sie so wenig Matches hat. Das erste Bild war ein Selfie von unten, im Auto, mit Sonnenbrille. Das zweite ein Gruppenfoto, auf dem man sie suchen musste. Das dritte ein Foto von ihrem Hund. (Der Hund war sehr süss. Aber er war nicht der, der ein Date wollte.)

Wir haben an einem Sonntagnachmittag neue Fotos gemacht, mit dem Handy, in einer Stunde, rund um den Idaplatz. Ihr Profil sah danach komplett anders aus, und sie hat es mir mit vielen Herz-Emojis gedankt. Hier ist, was wir gemacht haben.

Portrait einer Frau vor blauer Wand

Warum das Profilbild so viel ausmacht

Auf den meisten Apps entscheidet sich in ein bis zwei Sekunden, ob jemand weiterschaut. In dieser Zeit liest niemand deinen Text. Das erste Bild ist also sowas wie das Schaufenster, und mit Schaufenstern kenne ich mich aus. Ein gutes Schaufenster zeigt eine Sache klar, mit gutem Licht, und macht Lust auf mehr. Genau das soll dein erstes Foto auch.

Das erste Bild: nur du, nur dein Gesicht

  • Allein. Kein Gruppenfoto, keine Person abgeschnitten am Rand.
  • Gesicht gut sichtbar. Keine Sonnenbrille, keine Mütze tief im Gesicht. Kopf und Schultern, vielleicht bis zur Brust.
  • Du schaust in die Kamera, oder knapp daneben. Ein echtes Lachen, nicht das Passfoto-Lächeln.
  • Aktuell. Nicht älter als ein Jahr, und so wie du heute aussiehst (Haarfarbe, Bart, Brille). Alles andere fliegt beim ersten Treffen sowieso auf.

Licht ist alles

Das ist der Tipp, der am meisten bringt, und er kostet nichts. Kein Deckenlicht, kein Blitz, keine Mittagssonne. Das beste Licht für Portraits:

  1. Die goldene Stunde, die letzte Stunde vor Sonnenuntergang. Warmes, weiches Licht von der Seite, das jeder Haut schmeichelt.
  2. Ein bewölkter Tag. Klingt komisch, aber Wolken sind der grösste Softbox der Welt. Keine harten Schatten, keine zusammengekniffenen Augen.
  3. Drinnen: vor einem grossen Fenster, das Gesicht dem Fenster zugewandt. Nicht mit dem Fenster im Rücken, sonst wirst du zur Silhouette.

In Zürich hab ich die besten Erfahrungen mit Hausfassaden in hellen Farben gemacht (die werfen das Licht zurück aufs Gesicht) und mit Seitengassen in der Altstadt am späten Nachmittag.

Handy reicht völlig, aber richtig

Du brauchst keinen Fotografen und keine Profikamera. Aktuelle Handys machen hervorragende Portraits. Ein paar Dinge solltest du trotzdem beachten:

  • Lass jemand anderes fotografieren. Selfies verzerren das Gesicht, weil die Kamera zu nahe ist. Die Nase wirkt grösser, das Kinn kleiner.
  • Die Hauptkamera benutzen, nicht die Frontkamera. Die ist deutlich besser.
  • Porträtmodus mit leichter Unschärfe im Hintergrund ist gut, aber nicht übertreiben. Wenn die Haare am Rand «ausgeschnitten» aussehen, ist es zu viel.
  • Auf Augenhöhe fotografieren oder minimal von oben. Von unten sieht niemand gut aus, wirklich niemand.
  • Viele Bilder machen. Wir haben an dem Sonntag etwa 200 Fotos gemacht und fünf genommen. Das ist normal.

Hand mit Smartphone

Was anziehen fürs Foto?

Hier kommen wir wieder zu meinem Lieblingsthema. Fürs Profilbild gilt fast dasselbe wie fürs Outfit beim ersten Date: so, wie du bist, nur in gut.

  • Einfarbige Oberteile in Farben, die dir stehen. Muster können auf dem kleinen Handybildschirm unruhig wirken.
  • Keine grossen Logos.
  • Farbe hilft beim Auffallen. Ein Oberteil in Rot, Kobaltblau oder Grün sticht zwischen all den grauen und schwarzen Pullis im Feed heraus.
  • Für weitere Bilder ruhig ein anderes Outfit, damit man sieht, dass die Fotos nicht alle am selben Tag entstanden sind (auch wenn sie das sind, psst).

Die Bilder 2 bis 6: dein Leben in Ausschnitten

Nach dem ersten Bild darf es vielfältiger werden. Eine gute Mischung wäre:

  1. ein Ganzkörperfoto, damit man einen Eindruck von dir bekommt,
  2. ein Bild bei etwas, das du gerne machst (Wandern, Kochen, Velo, Konzert),
  3. ein Bild mit Freunden, auf dem man dich klar erkennt, einzig eines,
  4. ein Bild an einem Ort, der Gesprächsstoff gibt, zum Beispiel auf Reisen,
  5. und ja: ein Bild mit dem Haustier ist erlaubt. Bei mir wären es Nissi und Mendes, und sie würden vermutlich mehr Likes bekommen als ich.

Für Männer, ein paar extra Punkte

Ich hab für diesen Beitrag ein paar Freundinnen gefragt, was sie auf Männerprofilen nervt. Die Top-Antworten, ungefiltert:

  • Spiegel-Selfies im Fitnessstudio. Vor allem mehrere davon.
  • Fotos, auf denen er einen Fisch hält.
  • Nur Gruppenfotos, sodass man raten muss, wer es ist.
  • Sonnenbrille auf jedem einzelnen Bild.
  • Auto-Selfies mit Gurt.

Was gut ankommt: ein Bild in einem gut sitzenden Hemd oder Pulli, ein Lachen, ein Hobby, bei dem man sieht, dass du etwas kannst. Die Kleidungstipps aus dem Beitrag für Männer gelten übrigens auch fürs Foto.

Bearbeiten: ja, aber

Ein bisschen Helligkeit, Kontrast, vielleicht einen Hauch Wärme: völlig okay. Beauty-Filter, die die Haut glattbügeln, Gesicht schmaler machen oder Augen vergrössern: bitte nicht. Du willst, dass sich die Person beim Treffen freut, dich zu sehen, und nicht erst mal vergleicht.

Und welche App?

Das ist eine Frage, die ich oft bekomme und auf die ich keine allgemeine Antwort habe. Es hängt stark davon ab, was du suchst: etwas Lockeres, etwas Ernstes, jemanden in deinem Alter, jemanden aus deiner Region. Tinder, Bumble und Hinge sind in Zürich sehr verbreitet, für Ernsteres nutzen viele in der Schweiz eher Partnerbörsen mit ausführlichen Profilen. Mein Rat: Probier zwei aus, schau, wo du dich wohler fühlst, und investiere dort Zeit in ein gutes Profil statt in fünf Apps halbherzig.

Beim Thema Sicherheit empfehle ich übrigens die Tipps der Schweizerischen Kriminalprävention zum Online-Dating, die sind kurz und vernünftig. Erstes Treffen immer an einem öffentlichen Ort, jemandem Bescheid geben, wo du bist.

Kurze Fragen

Wie viele Bilder soll ich hochladen?

Vier bis sechs. Weniger wirkt, als hättest du etwas zu verstecken, mehr wird beliebig.

Schwarz-weiss?

Eins kann gut aussehen. Nicht als erstes Bild.

Bild mit Kindern (Nichten, Neffen, Patenkinder)?

Lieber nicht. Es verwirrt, und aus Rücksicht auf die Kinder gehören sie nicht auf ein Dating-Profil.

Und wenn es dann zum ersten Treffen kommt: Ideen für Zürich stehen in den Date-Ideen. Viel Erfolg beim Fotografieren!

 

Nissi und Mendes

Die Chefs hier: Nissi (links) und Mendes. Wer die zwei sind

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Gerade im Schrank

Ein rostroter Rollkragen, die alten braunen Stiefeletten (frisch besohlt) und ein Trench, der schon drei Winter hinter sich hat. Herbst halt.

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