Mein persönliches Lieblingsthema, ehrlich gesagt. Im Sommer ist ein Outfit schnell gemacht, im Winter wird es erst interessant. Man hat Lagen, Texturen, Mäntel, Stiefel, Schals. Und man hat ein Problem, das keiner anspricht: Du kommst rein, ziehst den Mantel aus, und plötzlich sieht dein Gegenüber ein komplett anderes Outfit als draussen. Darum geht es in diesem Beitrag vor allem: wie beide Versionen gut aussehen.

Im Winter sieht dich die andere Person zuerst im Mantel. An der Tramhaltestelle, vor der Bar, beim Spaziergang. Der Mantel ist also nicht nur Wetterschutz, sondern das eigentliche Date-Outfit der ersten fünf Minuten.
Wenn du in ein einziges Teil investieren willst, dann in einen guten Wollmantel. Camel, Grau, Navy oder Schwarz, knie- bis wadenlang, mit Schultern die sitzen. Ein guter Mantel macht aus Jeans und Pulli ein Outfit. Ein ausgeleierter Daunenmantel mit Skipass-Halter macht aus jedem Outfit einen Samstagseinkauf. (Ich liebe meine Daunenjacke, aber zum Date nehm ich sie nur, wenn wir aufs Eis gehen.)
Gute Alternativen, falls ein Wollmantel nicht dein Ding ist:
Draussen: Mantel, Schal, Mütze, Handschuhe. Drinnen: das, was darunter ist. Beide Versionen sollten für sich funktionieren. Die grösste Falle ist der Pulli, der unter dem Mantel toll aussieht und drinnen dann ein Tischtuch mit Ärmeln ist, weil er drei Nummern zu gross ist.
Meine Formel für drinnen: ein Oberteil mit Struktur (Rippstrick, Merino, Kaschmir-Mix) in einer Farbe, die zu deinem Mantel passt, dazu eine Hose oder ein Jupe, der auch alleine gut aussieht. Wenn es in der Bar warm ist, und das ist es in Zürich im Winter praktisch immer, willst du nicht in drei Schichten sitzen.
Deshalb: lieber ein dünnes Thermo-Shirt aus Merino drunter als ein dicker Pullover drüber. Merino wärmt, ohne aufzutragen, und stinkt nicht, auch wenn du nervös bist.
Die Saison für Erdtöne. Ein Rollkragen in Rost oder Olive, eine dunkle Jeans, Stiefeletten mit Blockabsatz, Trenchcoat. Oder ein Midi-Rock aus Cord mit einem feinen Pullover und Stiefeln. Im Herbst darfst du Farben mischen, die im Sommer zu schwer wirken: Bordeaux mit Camel, Senfgelb mit Braun, Dunkelgrün mit Creme.

Jetzt wird es ernst mit der Wärme. Wollhose oder Jeans mit Thermostrumpfhose drunter (niemand sieht es, alle profitieren), ein Strickkleid mit blickdichten Strumpfhosen und kniehohen Stiefeln, ein grosser Schal, der auch drinnen am Stuhl gut aussieht. Mützen sind okay, aber denk an die Haare danach. Ein Stirnband oder eine Kapuze sind für den Weg manchmal die bessere Wahl.
Glatteis, Schneematsch, Salz auf den Trottoirs. Wer im Winter in Zürich mit Wildleder-Stiefeletten ohne Imprägnierung raus geht, hat sie nach einem Abend ruiniert. Meine Tipps:
Winterspaziergang, Weihnachtsmarkt, Eisbahn. Alles schöne Ideen, aber dann gelten andere Regeln. Hier geht Wärme wirklich vor. Niemand findet es sexy, wenn du nach 20 Minuten mit blauen Lippen zitterst und das Gespräch sich nur noch um die Kälte dreht.
Lagen sind hier dein Freund: Thermo-Unterwäsche, Pulli, dicker Mantel, Mütze, Handschuhe mit Touchscreen-Fingern (für das Foto mit dem Glühwein). Und warme Socken. Wirklich. Kalte Füsse machen schlechte Laune, schneller als alles andere.

Der Zürcher Winter ist grau. Hochnebel, manchmal wochenlang. Da tut ein bisschen Farbe gut, dir und dem Gegenüber. Ein roter Schal, eine Mütze in Kobaltblau, Handschuhe in Senfgelb. Kleine Farbtupfer an einem sonst dunklen Outfit wirken im Winter frischer als ein komplett buntes Outfit. Und sie machen dich im Menschengewimmel am Bellevue leichter auffindbar, was beim ersten Treffen gar nicht so unwichtig ist.
Kalte Luft und Heizungsluft trocknen die Haut aus. Eine reichhaltigere Creme als im Sommer, Lippenbalsam in der Manteltasche, und beim Rouge ruhig etwas mehr. Rote Wangen sehen im Winter natürlich aus, man darf es ausnutzen. Ein dunkler Lippenstift in Beere oder Bordeaux passt in keine Jahreszeit so gut wie jetzt. Alle Details dazu in Make-up und Parfum fürs Date.
Nein. Ein feiner, eng anliegender Rollkragen ist einer der elegantesten Looks überhaupt. Mit Creolen und einem roten Mund: perfekt.
Absolut, mit Strumpfhosen ab 60 Den, Stiefeln und einem langen Mantel. Strickkleider sind im Winter mein Standard-Date-Look.
In vielen Zürcher Restaurants gibt es eine Garderobe, sonst über die Stuhllehne. Deshalb: Futter checken. Ein zerrissenes Futter sieht man beim Aufhängen sofort.
Suchst du noch eine Idee für ein Winterdate? In meinen Date-Ideen für Zürich gibt es einen eigenen Teil für schlechtes Wetter. Und für die Männer: hier entlang.
Fang am besten mit dem Grundlagen-Beitrag an. Dort steht fast alles, der Rest sind Details.
Fragen gerne an [email protected]
Die Chefs hier: Nissi (links) und Mendes. Wer die zwei sind
Ein rostroter Rollkragen, die alten braunen Stiefeletten (frisch besohlt) und ein Trench, der schon drei Winter hinter sich hat. Herbst halt.